Gewalt, wie die längerfristige Akkumulation von Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen, wirkt sich nachhaltig und wesentlich auf die Entwicklung einer Gesellschaft aus, und auch darauf, wie in ihr mit Konflikten umgegangen wird (vgl. Bar-Tal/Hammack 2012, S. 36 f.). Die Folgen ständiger physischer Gewaltakte durchdringen jeden Teil des gesellschaftlichen Gefüges (Kizilhan/Othman 2012).

„Kultur der Gewalt“

Wenn die physische Gewalt lange andauert, und das tut sie in einem schwer kontrollierbaren Konflikt, dann kann dieser dauerhafte Einfluss auf die Gesellschaft zu einer „Kultur der Gewalt“ führen (vgl. Bar-Tal/Hammack 2012, S. 30). Sie hinterlässt ihre Spuren, indem sie die Weltsicht und damit das Verhalten der Mitglieder der Gesellschaft prägt (vgl. Lia/Skjølberg 2004, S. 146; Eckart 2010). In solchen Fällen können sich auch die Normen und Werte einer Gesellschaft verändern bzw. „alte“ patriarchalische Werte und Lebensvorstellungen in neuere eingebunden werden (Kizilhan 2019).

Insgesamt ist aber wenig über die subtileren und langanhaltenden Auswirkungen von Gewalt durch Kriege oder generell von Gewaltanwendung aufgrund politischer und religiöser Verhältnisse auf Gesellschaften bekannt. Dies gilt insbesondere für das alltägliche Leben in von Gewalt oder Krieg bedrohten Regionen hinsichtlich möglicher Veränderungen der Wertevorstellungen bzw. der Verstärkung patriarchalischer(-islamischer) Lebensvorstellungen.